Der Weg zur Stille und neue Abenteuer

Auf dem Weg zur Stille bin ich diesmal in einem Kloster angekommen.

Im Laufe der letzten Jahre habe ich schon einige Retreats kennen gelernt, doch in einem Kloster war ich noch nie. Motiviert dazu hat mich das in letzter Zeit  immer intensiver verspürte Verlangen nach Fasten, dem lieb gewonnenen Fasten-Flow und meine ständige Bereitschaft für für neue Abenteuer.

Diesmal sollte es Buchinger-Fasten sein. Der kurzfristig frei gewordene Platz im Kloster kam also exakt zum richtigen Zeitpunkt. So habe ich mich auf den  Weg zur Stille gemacht. Zur Stille, um  meine Sinne wieder zu schärfen und die inneren Räume wieder einmal zu klären. Um mich von Illusionen zu verabschieden und mich wieder auf das Wesentliche zu fokussieren.

Nach gut vier Stunden Autofahrt bin ich endlich angekommen.

kloster perneggIm nördlichen Waldviertel in Niederösterreich hat man übrigens den Eindruck, nie anzukommen. Die stille und doch reizvolle Landschaft besteht nur aus endlosen Hügeln, Wäldern und kleinen Dörfern. Letztendlich bin ich aber doch angekommen. Erleichterung und Vorfreude auf das, was kommt. Einchecken und auspacken, danach erstes Meeting mit der Gruppe.waldviertel, kloster perneggMein Zimmer war natürlich keine Klosterzelle, sondern ungewöhnlich groß mit drei Fenstern und selbstverständlich mit eigenem Bad. Jeden Morgen konnte ich mich über einen wunderschönen Blick auf einen verwilderten Garten mit alten Obstbäumen und einer weiten Sicht über die alten Klostermauern bis zum Horizont freuen. Dazu ertönte das tägliche Morgen- Konzert unterschiedlichster Vogelstimmen, vermischt mit dem wilden Klopfen eines Spechts und den Rufen des Kuckucks. Natur pur!

klostergartenDa die Kloster-Anlage sehr weitläufig war, habe ich zu meinem Zimmer immer eine Abkürzung genommen, die für viele etwas ungewöhnlich erscheinen mag. Eine Abkürzung, die aber vor allem gegen Abend etwas durchaus Heimeliges hatte, wenn all die roten Kerzchen am Friedhof brannten. Gleichmut war angesagt, Ruhe und Disziplin. Stille Tage verbringen und mit neuen Impulsen zurück kommen.

waldviertel kloster pernegg

Erster Tag

Die Gruppe bestand aus 20 Teilnehmern, quer durch alle Altersgruppen. Nachdem wir vom Fastenleiter, der uns die ganze Woche fürsorglich betreute, durch das Kloster geführt und mit dem Ablauf vertraut gemacht wurden, gab es Mittagessen:

OK, eine klare Gemüsebrühe mit Einlage, die aus kleinen Gemüsewürfelchen bestand. Ungesalzen. Viele frische Kräuter. Sehr schmackhaft. Wirklich!

Ganz ruhig sitzen, den Focus auf den Augenblick richten, sich nicht ablenken lassen. Vor meinem geistigen Auge flog gerade ein Schnitzel vorbei. Ein Schnitzel mit knuspriger, schön gewellter Panade, mit Preiselbeeren und gebackener Petersilie. Dazu ein kleiner Kartoffel-Gurkensalat. Doch JETZT, in diesem Augenblick den Eigengeschmack und den Duft der verschiedenen Kräuter genießen. Das Supperl essen, und zwar langsam!

Das Mittagessen der nächsten Tage bestand aus einem großen Glas Frucht/Gemüsesaft, der gelöffelt(!) wurde. So verbrachte man mindestens eine halbe Stunde bei Tisch, um genüsslich mit dem Inhalt fertig zu werden. Konzentration auf das Wesentliche!

Zum Frühstück wurde übrigens Tee serviert, sonst nichts. Zum Abendessen die schmackhafte Gemüsebrühe ohne Salz mit vielen Kräutern. Selbstverständlich ohne Gemüsewürfel-Einlage! Gegessen wurde in einem wunderschönen Saal an einem äußerst liebevoll gedeckten Tisch.

speisesaal kloster perneggDisziplin war angesagt. Ruhe und in sich gehen, beobachten. Die Sinne öffnen, sensibilisieren und fasten.

Beim ersten Anflug eines Gefühls von Hunger – während der ersten zwei Tage – schoss mir mein bewährtes Fasten-Kommando Trink in den Kopf. So wie man zu einem Hund Platz sagt. Es wirkt garantiert, meine Erfahrungen früherer Fasten – Abenteuer haben es immer wieder bestätigt. Kein Hunger!

Zweiter Tag

Der zweite Tag begann mit den üblichen Fasten-Vorbereitungs-Ritualen, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Jedenfalls fühlt man sich nach ein paar Stunden befreit und leicht wie ein Vogerl. Danach relaxen im Klosterhof.

fastenkloster pernegg

Bewegung.

Zweimal täglich in der Umgebung des Klosters sanft bergauf und bergab wandern, jeder nach seinen Möglichkeiten. Irgendwann, als die Hungergefühle ganz verschwunden waren, war er  plötzlich da, der heiß ersehnte Fasten-Flow. Die Endorphine schnellten nach oben als ob kein Ende in Sicht wäre. Energie, um  sämtliche Bäume in der Umgebung auszureissen. Die Welt umarmen: Happiness, pleased to meet you!

wanderwege perneggAm zweiten Abend wurden wir vom Klosterchef – einer  Frohnatur aus dem Rheinland – und Pfarrer von Pernegg, am Nonnenchor der Klosterkirche erwartet. Der Aufgang zum Nonnenchor erfolgte über einen Jahrhunderte alten Gewölbegang, der extra für uns stimmungsvoll beleutete wurde. Hier sollten uns Impulse zu unserer Fastenwoche vermittelt werden. Eine stimmige Geste und ein willkommener Anlass zum Nachdenken.

nonnenchor perneggSo verliefen die Tage wie im Flug mit Massagen, Besichtigungen, Wanderungen, Entschleunigung  und viel Stille.

stift pernegg niederösterreich

Nette Erlebnisse

Unwartete Erlebnisse hatte ich im Dorf Pernegg, als ich durch das Dorf spazierte und zufällig im Haus eines Holzbildhauers gelandet bin.  Es stellte sich heraus dass dieses Haus – ebenerdig wie alle Häuser in der Gegend –  eins der ältesten Häuser im Dorf war. Die Decke im Eingangsbereich hinter dem großen Tor war mit einem seltenen Sterngewölbe verziert. Der Besitzer, ein von Burnout verbrannter und im Waldviertel gestrandeter Werbemann aus Wien hat mir mit allergrößter Ruhe und Gelassenheit seine Werkstatt gezeigt, obwohl sein Frühstück auf dem  Tisch stand.

bildhauer perneggIch durfte nicht nur seine Werkstatt besichtigen. In Vertretung seines Imker-Nachbarn, der leider gerade ausgeflogen war, führte er mich auch zu den Bienen. Eigentlich wollte ich Honig kaufen, doch gelandet bin ich in einer Bildhauer-Werkstatt und  bei den Bienen. Und ich habe gesehen, was sich hinter den großen Toren der Häuser verbirgt. Da die Leute hier alle Zeit der Welt haben, hat mein unangemeldeter Besuch fast eine Stunde gedauert.

Gleich  danach bin ich auf Empfehlung des Bildhauers zu einer Nachbarin, um dort Eier von glücklichen Hühnern mit nach Hause zu nehmen. Die nette Hühner-Mama ließ es sich nicht nehmen, am Abend im Kloster anzurufen um nachzufragen, ob ich denn auch wieder gut angekommen wäre.

Letzter Tag und Fastenbrechen

Plötzlich war schon Freitag und das Mittagessen – gleichzeitig auch Fastenbrechen –  beendete die Fastenwoche. Beinahe hätte ich den Apfel mit der liebevollen Zimt-Dekoration nicht geschafft!

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Ein letzter gemeinsamer Spaziergang führte uns zur stimmungsvollen Nikolai-Kapelle, dem letzten erhaltenen Rest der Burg derer von Pernegg aus dem 11.Jahrhundert.

Die Fastenwoche wurde mit einem stimmungsvollen Ritual am knisternden Feuer im Obstgarten unter klarem Sternenhimmel beendet.

abschiedsritual perneggMein Weg zur Stille, der mich über die blühende Wachau entlang der Donau und durch das wunderschöne Kamptal ins Waldviertel geführt hat, hat mich wieder geerdet. Hat mich von bedrückenden Altlasten befreit und mir wieder das bekannte Wohlgefühl geschenkt, das ich für lange Zeit so vermisst habe.

Für Kunst- und Kulturinteressierte

Das Waldviertel ist reich an geschichtsträchtigen Klöstern und Schlössern, die unbedingt sehenswert sind. Kloster Pernegg ist Stift Geras angeschlossen, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Führungen durch das Stift waren leider nur ab Anfang Mai möglich, gerne hätte ich die Kloster-Bibliothek und den Marmorsaal mit dem berümten Troger-Fresko besichtigt. So blieben nur ein paar Fotos der Stiftskirche. Dem Kloster Geras angeschlossen ist die Kunstakademie Geras mit einem sehr interessanten Kursangebot verschiedener Künstler.

Das Stift Altenburg, das Barock-Juwel des Waldviertels liegt auch in unmittelbarer Nähe. Sehr eindrucksvoll ist auch das Renaissance-Schloss Rosenburg.

Mein Weg zurück führte mich wieder durch das Kamptal, einem kurzen Stopp in Gars am Kamp beim Bauernmarkt und schließlich noch im Loisium in Langenlois um mich mit Wein aus der Region einzudecken.

Wenn ich doch schon einmal in der Gegend bin …

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